Tabak & Kinderarbeit

Kinderarbeit für Zigaretten. Wie Bauern und ihre Familien ausgebeutet werden.
Dies führt zu zweierlei Konsequenzen. Einerseits sind diese Kinder höchst gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Und andererseits, werden die Möglichkeiten dieser Kinder für eine Schulbildung dadurch sehr eingeschränkt. Der Teufelskreis aus geringer Schulbildung, finanzieller Ausbeutung, Krankheit und Armut bleibt dadurch von Generation zu Generation unverändert.

Die Situation in den Anbauländern

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Im Land Malawi arbeiten circa 78.000 Kinder auf den Tabakplantagen ihrer Familien. Aber nicht nur dort, sondern auch in Brasilien, Indien, der USA und anderen Tabakanbauländern ist Kinderarbeit weit verbreitet.
Die BesitzerInnen der Plantagen verpachten ein Stück Land an Bauernfamilien, auf dem sie Tabak anbauen sollen. Auf Kredit erhalten sie die notwendigen Betriebs- und Nahrungsmittel. Dafür sind sie verpflichtet, die gesamte Tabakernte an die PlantagenbesitzerInnen zu verkaufen. Was dann am Ende übrig bleibt, ist meist zu wenig um zu überleben. Aus diesem Grund sind Familien auf die Arbeitskraft ihrer Kinder angewiesen, um größere Mengen Tabak produzieren und das Auskommen der Familie halbwegs sichern zu können.

Bereits Kinder ab fünf Jahren graben Felder um, fällen Bäume, düngen und sprühen Pestizide ohne entsprechende Schutzkleidung. Wenn die Haut mit Tabakblättern in Berührung kommt, wird Nikotin aufgenommen. Auf diese Art und Weise nimmt ein/e KinderarbeiterIn auf einer Tabakplantage pro Tag durchschnittlich 54mg Nikotin auf – das ist so viel wie in 50 Zigaretten enthalten ist. Immer wieder leiden jene Kinder unter Symptomen der sogenannten „grünen Tabakkrankheit“: Fieber, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Atemnot, Hautausschläge und in weiterer Folge auch Leberschäden, Nervenerkrankungen und/oder Unfruchtbarkeit.

Die UN-Kinderrechtskonvention

haendeDie UN-Kinderrechtskonvention verbietet potentiell gefährliche Arbeiten für alle Kinder unter 18 Jahren, womit Kinderarbeit für die Zigarettenerzeugung eindeutig dagegen verstößt. Ein Meilenstein in die richtige Richtung wäre ein Gesetz, das zwar bis jetzt bereits mehrere Entwurfsstadien durchlief, jedoch noch nie verabschiedet wurde – das Pachtarbeitsgesetz (Tenancy Labour Bill). Dieses Gesetz würde den TabakarbeiterInnen Grundrechte wie schriftliche Verträge, Zugang zu sauberem Trinkwasser und kostenfreie medizinische Versorgung zusichern. Mit dabei geregelt wäre ebenfalls ein Arbeitsverbot für Kinder unter 18 Jahren.

„Eigentlich wollte ich Lehrerin werden“

Agnes Banda ist 22 Jahre alt, lebt und arbeitet auf einer Tabakplantage in der Nähe des Bezirks Kasungu in der malawischen Zentralregion. Sie hat mit 13 Jahren geheiratet und hat drei Kinder.
Die Grundschule musste sie in der 7. Klasse abbrechen, weil ihre Familie es sich nicht mehr leisten konnte, sie zur Schule zu schicken. Dennoch gehört sie zu den vergleichsweise besser Gebildeten auf ihrer Plantage. Ihre KollegInnen gingen entweder gar nicht zur Schule, oder brachen zwischen der 3. und 6. Klasse ab.
„Ich wollte Lehrerin werden. Ich hätte es toll gefunden, anderen Menschen etwas beizubringen.” Um Lehrerin zu werden, hätte sie die Grund- und Sekundarschule (die Schulgeld kostet) abschließen müssen. Anschließend wäre sie auf ein Teachers‘ Training College gegangen, dessen Gebühren von der Regierung übernommen werden.
Neben Tabak müssen die PächterInnen für die PlantagenbesitzerInnen zusätzlich Mais anbauen. Für denselben Mais müssen sie dann einen überhöhten Preis von 1000 Kwacha pro Eimer bezahlen (Marktpreis 750 Kwacha). Bandas Familie bekommt nur eine Mahlzeit am Tag, die aus Nsima (Maisbrei) und gekochten Kürbisblättern besteht.
Auch die Kinder bekommen nur eine Mahlzeit am Tag. Trinkwasser holt Banda von einem unbefestigten Brunnen ein paar Kilometer von der Plantage entfernt. Der Plantagenbesitzer stellt kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung.
Immerhin verteilt eine lokale Gesundheitsbehörde regelmäßig Chemikalien zur Wasser-Entkeimung auf den Plantagen in der Region.

Wenn jemand auf der Plantage krank wird, muss er/sie zum sieben Kilometer entfernten Krankenhaus laufen. Der Plantagenbesitzer stellt keinen Transport zur Verfügung und es fahren keine Busse auf dem Feldweg zur Plantage.
Wie die meisten TabakpächterInnen hat Banda keinen schriftlichen Vertrag. Im Jahr 2008 produzierte ihre Familie neun Tabakballen (etwa 900 Kilogramm Tabak). Die Vereinbarung mit dem/der PlantagenbesitzerIn war, dass sie pro Tabakballen 5.000 Kwacha erhält. Die Familie dachte, der abgemachte Preis sei in Ordnung. Doch nach den Abzügen für Düngemittel, Saatgut, Pestizide, Plastikplanen für die Trockenschuppen und Essen erhielten sie nur 20.000 Kwacha. Diese Einnahmen sind weit unter der Armutsgrenze, die im Jahr 2008 bei etwa 28.000 Kwacha pro Kopf und Jahr lag, sogar wenn man einrechnet, dass hier schon die Essensausgaben der Familie teilweise gedeckt waren. Zum Vergleich: Als Primarschullehrerin würde Banda mindestens 15.000 Kwacha pro Monat verdienen.
Obwohl es in etwa drei Kilometern Entfernung eine Schule gibt, hat Banda Schwierigkeiten, ihre Kinder dorthin zu schicken. Sie wünscht sich, dass ihre Kinder die Schule abschließen, fürchtet aber, dass sie genauso wie sie selbst an der Armut scheitern.
(Laura Graen, 2014, Tabakproduktion in Afrika: Knebelverträge im Trend S. 41-42)

Quellen

"Tabakproduktion in Afrika. Knebelverträge im Trend." Herausgeber: Unfairtobacco.org, April 2014.
"Kinderarbeit in der amerikanischen Tabakindustrie." www.vice.com. Zugriff am 20.04.2015.